Mefjus – Double Tap EP : Es drischt der Borg

Eines vorweg: Ich mag Mefjus. Ich schätze ihn als einen der saubersten Produzenten und vertraue ihm als einem der -nun ja, vertrauenswürdigsten DJs. In der Vergangenheit zwar nicht immer herausragend mit seinen Produktionen, hat er doch spätestens mit dem Doppelpack Far Too Close / Distantia (Neodigital) seinen Platz in der Avantgarde der Soundschmiede reserviert. Wenn da nur nicht diese Persistenz wäre, mit der er an seinem Sound festzuhalten scheint. Man verstehe mich nicht falsch: nichts ist wichtiger als seinen eigenen Sound und ergo Stil zu entwickeln, aber all die leuchtendsten Sterne des Drum&Bass-Abendhimmels -Noisia, Phace & Misanthrop, Octane & DLR, ja bis hin zu Ed Rush und Calyx & Teebee wenn man so will- kombinieren den ihnen jeweils völlig eigenen Ausdruck mit der steten Suche nach neuen Welten, die sie uns dankbarer Hörerschaft erschließen. Mefjus‘ Universum aber erscheint mir manchmal doch ein wenig eng, und da ist auch seine neue Double Tap EP keine wirkliche Ausnahme. Man verstehe mich abermals nicht falsch: Die EP ist keinesfalls schlecht, ganz im Gegenteil: Wie immer mit klinischer Sauberkeit, Perfektion und Härte produziert, knalligen Drums, elektrifizierenden Science-Fiction Sounds, fetten Bässen und einem Quäntchen der signifikanten Verloren-im-Weltraum-Atmosphäre, wird jeder, der z.B. Neosignals From Deep Space-Album mochte, auch diese EP lieben. Es dauert keine zwei Minuten und schon stellt sich das mitunter seltsam-wohlige Gefühl ein, von einem stilsicheren Borg verdroschen zu werden. Das eröffnende Double Tap stellt sich wie nebenbei auch noch als kompositorische Meisterleistung heraus und schafft mit seiner fein gewobenen Struktur einen durchaus epischen Spannungsbogen. Ähnliches gilt für das anschließende Bilateral, wo sich der Linzer für seine Verhältnisse ungewohnt funky gibt und abermals mit einer Fülle an rhythmischen Variationen und gelungenem Spannungsverlauf aufwartet. Wiederum ähnliches gilt für Dogs & Frogs, aber -und das ist der Punkt- es wird zunehmend schwieriger, die unterschiedlichen Facetten des im Grunde gleichen Blickwinkels noch auseinander zu halten; und spätestens wenn sich Dogs & Frogs für die Reprise (den Wiedereintritt nach der mittleren Fläche) des selben Tricks der Wiederholung bedient wie Double Tap davor (und Distantia überhaupt davor), wird dieser eigentlich überragende Track völlig absurderweise zum Einheitsbrei degradiert – und das lediglich durch seine Nachbarschaft, durch das an dieser Stelle offenkundig werdende Fehlen von anderen Perspektiven. Zwar bezeichnet Double Tap das Prozedere, mit zwei schnellen Schüssen dasselbe Ziel zu treffen – ein dritter Blattschuss aber vermag die Gemüter einfach nicht mehr zu erregen.

Mit dem letzten Track schließlich, dem Remix von Wintermutes Out of Scale, verkommt die vorherrschende Kompromisslosigkeit leider vollends zur Eintönigkeit. Nicht nur überzieht Mefjus den Titel lediglich mit seinem eigenen Soundfilm, anstatt ihm tatsächlich neue Facetten zu entlocken, er stützt sich auch mehr oder minder völlig auf die einzige Charakteristik des Originals, den zentralen lange aufsteigenden Basston. Und auch wenn dieser im Club die Massen freilich zum Johlen bringt, während noch ihre Nasenflügel sanft im Frequenzwinde wehen: was steht wirklich hinter dieser Kompressionswurst, der jegliche Definition fehlt, außer einer Verneigung vor dem ewigen Volks-Duktus des Mehr ist Mehr? Ja, ‚dick ist es trotzdem‘ wird man wieder einwenden, aber dass Lautstärke und Beleibtheit noch keinen guten Track ausmachen, dieses Credo wird auch nicht für einen Artist, für den ich durchaus Sympathie hege, nicht aufgeweicht. So hat sich Mefjus leider selbst der Chance beraubt, mit dem Ausgang seiner EP auf andere Sphären hinzuweisen, und so steht es wieder in den Sternen, ob er sich auf seinem Planeten vollends einbuddelt oder doch noch zu großen Reisen aufbricht. An seinem Vermögen dazu herrscht ja kein Zweifel.

Fazit: Mit Ausnahme des mir unverständlichen letzten Titels kann man eigentlich jede der verbleibenden drei Nummern vorbehaltlos empfehlen. Man besorge sie sich aber einzeln und mit genügend Zeit dazwischen, da sie sich sonst wie Drillinge gegenseitig im Weg stehen. Mefjus selbst allerdings wird sich überlegen müssen, ob er künftig a) lieber wieder Zwei-Track-EPs rausbringt, oder b) sich nach den Erfolgen seines jetzigen Sound-Settings langsam einem neuen zuwendet. Wir jedenfalls wünschen ihm viel Erfolg dabei.

Mefjus – Double Tap EP (Trust in Music) – http://soundcloud.com/mefjus/sets/mefjus-double-tap-ep-trust-in/

Immer wieder über eine Rezension Bescheid bekommen: http://www.facebook.com/Subsphere

Advertisements

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s