2012/40 : Mind Killers, Brain Thrillers & Once-in-a-lifetime-moments (deutsch)

Es ist mir in letzter Zeit vermehrt die Frage untergekommen, wodurch sich denn meine Kritik überhaupt legitimiere, weshalb man gerade meinem Urteil Glauben schenken solle. Ich darf hoffen, mit diesem Blog das Vertrauen zumindest einiger erschrieben zu haben; für alle anderen habe ich in der Subsphere?-Sektion recht widerwillig einige Infos meine Person und ‚Qualifikation‘ betreffend hinzugefügt. Ich glaube nicht, dass Zeugnisse und Auszeichnungen als Maßstab für die Arbeit einer Person tatsächlich etwas gelten, denn letzten Endes geht es mir allein um das Outcome. Aber vielleicht wird mir der eine oder andere wohlwollender begegnen, wenn er/sie sieht, dass mein Engagement ernstlich und seit langem auf die Sache -Drum & Bass- gerichtet ist.
Im Zweifelsfall aber kann ich nur raten, mir nicht zu vertrauen, und sich ein eigenes Bild zu machen.

Bevor wir uns in das heutige Wellengetümmel stürzen sei an dieser Stelle noch kurz erwähnt, dass die ausgezeichnete Versus EP aus dem Hause Ulterior Motive mittlerweile in allen gängigen Stores verfügbar ist (Review: https://subsphereblog.wordpress.com/2012/09/24/201239-von-dornen-und-knospen/), womit sämtliche Ausreden, sie sich nicht anzueignen, hinfällig geworden sind.

Ulterior Motive (feat. Lenzman, Hybris, FD, Krakota) – Versus EP (Subtitles Music) – http://soundcloud.com/ulterior-motive-uk/ulterior-motive-versus-ep

Nun aber können wir uns guten Gewissens unserer Kategorie Neurofunk to go zuwenden, die sich heute auf alle möglichen Arten Funk erstreckt. Den Anfang macht dabei der wunderbar microtisch-deepe, neueste Output des im schönen Sofia ansässigen Robustus. Beide Tracks überzeugen mit der Klarheit ihrer äußerst definierten und feinen Produktion, die viel Raum für den druckvollen Sub lässt, und unterhalten mit einer mannigfaltigen, lebhaften Geräuschebene. Während Water Beast sich in seinem Figurenreichtum nachdrücklich einer steten Vorwärtsbewegung verschrieben hat, lehnt sich No Despair immer wieder neckisch zurück und scheint mit seiner weit ausholenden Bassfigur doch immer wieder zuzuschnappen. Freunde eines minimalistischen Vibes mit Stil und solche, die ganz genau zuhören, sollten sich diese EP nicht entgehen lassen.

Robustus – Water Beast / No Despair (IM:LTD) – http://soundcloud.com/robustus/sets/no-despair-water-beast/

Ganz alleine steht der Slam Dunk-Remix von InsideInfo da, der nach eigenen Angaben übrigens ein ausgesprochen schlechter Basketballer ist. Das hat ihn aber nicht daran gehindert, aus dem Dubstep-Original von Specimen A eine wahre Groovepeitsche zu formen, die wie seinerzeit Bodyrock nur darauf wartet, über den Massen geschwungen zu werden. Mit dem InsideInfo-typischen, direkten Approach, stellt er ohne Umschweife den mitreißenden Rhythmus seiner knackigen Synths in den Vordergrund und lässt den rockigen Unterbau seiner Groovemaschinerie den Rest erledigen. Da ist es wohl nur eine Frage der Zeit zu den ‚20.000 people goin outta their minds…‘

Specimen A – Slam Dunk (InsideInfo Remix, Funkatech Records) – http://soundcloud.com/insideinfo/specimen-a-slam-dunk

Die Nummer mit dem wohl größten Go-Aspekt unserer To Go-Sektion ist die nicht nur von mir sehnlich erwartete Killer Driller von AMIT, ein Stück prototypischer Paradiermusik für Science-Fiction Cowboys, und der größte Balanceakt zwischen Simplizität und Genie seit Erfindung der Half-Time. Und eigentlich ist es ja ein Rätsel, wie diese Mischung aus etwas Doors-Psychedelie, zwei Takten Viertelbasslinie, einem Takt Drums und zwei Melodie-Geräuschen funktionieren kann, nicht zu vergessen das billigste Sprachsample der Welt. Aber AMIT zeigt hier vor, das es weniger auf die Zutaten als auf den Koch ankommt: Die Mischung ist einfach perfekt, der Sound trifft noch den letzten von Tarantino verschonten Nerv, und die Atmosphäre ist so verrucht, so erlesen Dirty, das es eigentlich völlig ausgeschlossen ist, von Killer Driller nicht komplett mitgerissen zu werden.

Dass das die B-Seite nicht halten kann ist eigentlich klar, aber trotzdem muss man Color Blind (feat. Rani ) zu Gute halten, dass es eine schöne Abrundung des Packages darstellt, und durch die leicht orientalische Melodie und Ranis Gesang ein ähnliches 1967-Feeling aufbringt (was mich ja ganz besonders freut). Der Bass ist im Übrigen so konsistent, dass man darauf spazieren gehen kann, und auch wenn die Nummer einfach nicht so spannend ist, wie sie vielleicht sein könnte, kann man die EP doch nur wärmstens empfehlen.

AMIT – Killer Driller / Color Blind ft. Rani (Metalheadz) – http://soundcloud.com/amitmusic/amit-killer-driller, http://soundcloud.com/amitmusic/amit-ft-rani-untitled

Entgegen der bisherigen Tendenz dieses Blogs möchte ich an dieser Stelle den Track Injustice vorstellen, die neue Zusammenarbeit von Sabre und Riya, die vielleicht schönste Porno-Nummer seit SpectraSouls Light in the Dark (feat. Terri Walker). Entsprechend ihrer Anlage steht der Track einem Popsong näher als einer klassischen DnB-Nummer, aber das Fundament groovt sanft und crispy, die Vocals sind nicht überaufdringlich und die vom wunderbar verhallten Klavier eingeworfenen Harmonien sind um einiges disparater und ansprechender, als man sie gemeinhin vorgesetzt bekommt. Die B-Seite, Affliction,  ist mir persönlich zu sehr R‘n’B, als dass sie mich sowohl ansprechen würde als auch dass ich tatsächlich etwas dazu sagen könnte. Freunde des Genres aber dürften auch damit ihre Freude haben.

Sabre & Riya – Injustice; Foreign Concept & Riya – Affliction (Critical Music) – http://soundcloud.com/critical-music/sets/sabre-riya-injustice-foreign/

Ebenfalls nichtganz frei von Emotion ist der Abschluss unserer heutigen Rundschau, The Cognition EP des englischen Producers D-Pression. Dieser entführt uns hier in seine abwechslungsreichen und abgründigen Klangwelten: Erfüllt von einer Schwere des Gemüts, die sich an keiner Stelle dem Kitsch ergibt, tauchen wir in die vier Tracks der EP ein, die sich mal trancig (Cheat), mal jungle-funky (Midas), mal deep (March) und mal bissig (3rd Trimester) geben. Ja oft wirkt es so, als ob er die im frühen Jungle (-nicht nur, aber der Vergleich bietet sich an-) oft präsente Dichotomie zwischen gefühlsschwangerem Aufbau und groovigem, basslastigem Hauptteil ins nächste Jahrtausend transferiert hätte. Die latente Herbststimmung, dicke Produktion und bei aller Abwechslung doch integrale Geschlossenheit der EP würden sie zu einer formidablen EP der Woche machen. Aber diese Auszeichnung gibt’s ja nach wie vor nicht.

D-Pression – The Cognition EP (Roll The Drums Recordings) – http://soundcloud.com/d-pression-1/sets/the-conception-ep/

Das wöchentliche Musik Update: http://www.facebook.com/Subsphere

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