2012/41 : Work hard, play hard (deutsch)

Ich habe dieser Tage Dom & Roland gefragt, ob es denn eine Möglichkeit gibt, dessen (übrigens famose) Definition EP aus der frühen Renaissance (1995) legal digital (und in guter Qualität) zu erwerben. Dass eine Antwort bisher ausblieb, mag an der zeitraubenden Nahrungsbeschaffung für seine hochauflösend übersteuernden Metalloxidstreifen liegen (Stichwort Bandsättigung); aber selbst wenn meine -zugegeben- etwas seltsame Anfrage sich in den Weiten des Dominikanischen Spamordens verlieren und ich auf YouTubes fragwürdigem Audiomaterial sitzen bleiben sollte, möchte ich diese Geschichte trotzdem nutzen, um an dieser Stelle mal die Moralaxt zumindest ein wenig anzuschwingen: Es ist bekannt, dass die Menschen, die tatsächlich Geld für Musik ausgeben, schon  lange in der Minderheit sind. Und darum bitte ich hier -als Außenstehender, wohlgemerkt-, nur eine Sache zu bedenken: Auf einen kleinen Münzbetrag zu verzichten tut normalerweise nicht weh; schon gar nicht, wenn man auch was dafür bekommt. Dieser kleine Münzbetrag aber auf dem Konto des Künstlers kann darüber entscheiden, ob dieser seine Zeit mit dem Verdienen seines Lebensunterhalts oder dem Verfertigen von Musik verbringt. Und man stelle sich mal vor, es würde z.B. die Galactica nicht geben, weil Maztek seine Zeit mit dem Verkaufen von Eis an Touristen am Piazza Navona verbringen muss, anstatt schraubend im Studio zu sitzen. Und mehr als ein paar Euros kostet auch ein Eis nicht…

Dom & Roland – Definition EP (1995, Saigon) – http://www.discogs.com/Dom-Roland-Definition-EP/master/9440

Wir wollen unsere dieswöchige Musikrundschau auch gleich mit jenem fortunamente verhinderten Gelatore beginnen, der zusammen mit NC-17 und KC die neue Cold’n’Meltin‘ EP des österreichischen Labels Mainframe Recordings einleitet -eine EP, die die lange E-Schlagertradition fortsetzt und deren weitere 4 Tracks hier weiträumig umgangen werden. Earworm aber ist eine im besten Sinne sehr bodenständige Angelegenheit, und würde mit seinen straighten Drums und straighteren Bass der Marke Ed Rush wohl auch als Machwerk des viralen Übervaters durchgehen. Wer‘s gern rockig hat sollte sich diese Dosis aurales Testosteron jedenfalls nicht entgehen lassen.

NC-17, Maztek – Earworm ft. KC (Mainframe Recordings) – http://soundcloud.com/mainframerecordings/nc-17-maztek-earworm-ft-kc

In eine ähnliche Kerbe schlägt auch zumindest die A-Seite der neuen Citrusfrucht, der Zero Method Remix der Disphonia-Nummer Collapsed: Auch hier finden wir repetitiv-rockige, treibende Fuzzbassriffs auf fast schon retrograden Twostep-Patterns, vermengt mit einer verhalten unheilschwangeren Marimba-Melodie. Die B-Seite besagter EP enthält ebenfalls einen Remix, und zwar hat sich NickBee an Teddy Killerz und Malks Pulsar versucht, und das mit einigem Erfolg. Dabei erreicht der DJ/Producer  aus dem ukrainischen Dneprodzerzhynsk ein für seine Verhältnisse geradezu gefährliches Energieniveau, das sich aus Tempo, Dichte und Qualität des Materials und der Komposition gleichermaßen zusammensetzt, und nach seinen für mich nicht völlig überzeugenden aber stets vielversprechenden Releases der letzten Zeit in eine durchaus wünschenswerte Richtung weist. Nun aber liegt es an uns, den ungarisch-ukrainischen Wirtschafts- und Neurofunkaufschwung weiter zu unterstützen!

Disphonia – Collapsed (Zero Method Remix; Citrus Recordings) – http://soundcloud.com/zeromethod/collapsed-zeromethod-remix

Teddy Killerz, Malk – Pulsar (NickBee Remix; Citrus Recordings) – http://soundcloud.com/nickbee/place2b-paimon-malk-pulsar

Unser nächstes Feature kommt aus dem traditionell vertrauenswürdigen Hause Dispatch, und vereint drei Tracks (inkl. Bonustrack) von Steve Kielty’s bassichter Erscheinungsform Survival auf einer feinen EP. Das gemeinsam mit Break hervorgebrachte Stano groovt dabei -pornofrei- nicht minder deep als der sphärischer veranlagte Alleingang Going Over, und wartet die A-Seite mit knarzenden, fetten Bässen in breakbewährt beschwingtem Stechschritt auf, so überzeugt die Flipside mit ihrem angenehm einnehmenden Subbassfeld und subtilen Melodeien. Der digitale Bonustrack The Year 2133 VIP ist eine gut gemeinte Neuauflage des zu Halloween Geburtstag feiernden Originaltracks, und klingt eher nach einer Variation im Mastering als tatsächlich der Produktion. Aber als Gratisgadget erfüllt die ja auch vor einem Jahr schon gute Nummer zweifellos ihren Sinn, und schlechter ist die leichte Anreicherung des kompromisslos stampfenden Rhythmus und ihrer durch die rotzigste Röhre gepressten Bässe jedenfalls nicht geworden. Wer also zum Überleben des früheren Studio Managers ein wenig beitragen möchte, oder einfach gern gute Musik hat, sollte hier zumindest mal reinhören.

Survival – Stano (ft. Break) / Going Down + The Year 2133 VIP (Dispatch Recordings) – http://soundcloud.com/anttc1/sets/break-survival-dispatch-62-out/

Der zweite österreichisch-organisatorische Beitrag unserer heutigen Musikschau ist der erste Release des jungen Londoner Produzenten und DJs Disarae, der mit seiner Hybrid EP und ihrer ausgewogenen Mischung aus Geräuschfetischismus, Old School, dicken Fransebässen und Groove auf offene Ohren stoßen sollte. Das Machwerk beginnt mit Caps Lock recht mitreißend und solide: Disarae weiß definitiv was er macht, auch wenn die Komposition im Ganzen noch etwas Feilerei vertragen könnte (und dieses kochender-Kaffee-Geräusch macht mich verrückt, aber das ist wohl meine Sache…). Mit dem folgenden Titeltrack bezeugt die Inselbegabung, dass er auch rhythmisch durchaus nicht von schlechten Eltern ist, und die offensichtliche Verwandtschaft von Hybrid und Hybris  scheint plötzlich mehr als nur Zufall zu sein. Konsequenterweise bezeugt die anschließende Nummer Freeze, dass Disarae auch etwas von Struktur und Aufbau versteht, und auch innerhalb einer Komposition vor steter Steigerung nicht zurückschreckt. Das abschließende Moody Grooves stellt sich dann leider als etwas belanglose Nummer heraus – vielleicht weil einfach nichts mehr zu beweisen war. Die verbleibenden drei aber rechtfertigen jedenfalls das Unterfangen, mit einer milden Gabe auch diese arme Großstadtseele vor einem vernichtenden 9-to-5-Job zu erretten.

Disarae – Hybrid EP (Syncopathic Records) – http://soundcloud.com/sub/sets/disarae-hybrid-ep-out-now/

Angst vor diesem kunstfeindlichen Schicksal haben naturgemäß auch Rob Dawson, 21, und Chris Murray, 22, die sich in Brighton zur unmissverständlich betitelten Selbsthilfegruppe Fearful zusammengetan haben, und mit ihrer neuen Tampered Cipher EP ein überzeugendes Stück Krisenbewältigung vorlegen: Schon der Eröffnungstrack Devices erstickt mit seinem rollenden Subbass und ansprechender Geräuschkulisse jeden Zweifel im Keim, und die knackigen Drums und freshen Sounds erinnern an den höherenergetischen Output von Alix Perez. Das Highlight der EP ist zweifellos der mittlere Track, Prime Directive, der sich schamlos eines Enterprise-Dialogs (The Best of Both Worlds, Pt.1) bedient und mit Picards firm formulierten ‚Engage‘ stilsicher in einen Drop mündet, der sich hören lassen kann. In bester Weltraum-Manier durchpflügen Fearful hier die Frequenzen, und bedienen sich zwischen Bassdruck und Flächensynth changierend tatsächlich des bestens aus zwei Welten, und dies auch kompositorisch auf einem interstellaren Niveau, wie ich es seit Mefjus Distantia ähnlich nicht mehr gehört habe. Der Abschlusstrack, ein iM 3 Remix von The Pinch, ist auch auf dieser EP der wohl schwächste, bleibt aber eine nette, melancholische Nummer mit einem Bass, der doch einigen Trost spendet. Vielleicht sollten also auch wir diesem aufstrebenden Duo im Angesicht ihres musikalischen Schaffens etwas spenden…

Fearful, iM 3 – Tampered Cipher EP (Darktide Recordings) – http://soundcloud.com/fearful/sets/dtrep-003/

Abschließend sei an dieser Stelle noch kurz auf das neue Undertaker-Freebie von The Upbeats hingewiesen, das die mächtigen Noisia auf ihrem mächtigen Label Vision für lau feilbieten. Der Track selbst ist übrigens großartig, und die Art, wie die Neuseeländer ihrem Sub Raum (und damit Macht) verschaffen und mit ihren durchwegs elektrifizierenden sonstigen Bässen umgehen, ist wieder einmal mustergültig. Und da sind die Drums ja noch gar nicht eingerechnet. Die Nummer gibt’s, wie gesagt, umsonst, und darum spare ich mir hier auch meine monetären Bemerkungen. Man könnte aber vielleicht trotzdem oder wenigstens das nächste Mal…?

The Upbeats – Undertaker (Vision) http://soundcloud.com/theupbeats/the-upbeats-undertaker-free

Die wöchentliche musikalische Moralpredigt: http://www.facebook.com/Subsphere

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