2012/47 : Natürliche Selektion

Was ist das Beste, das man mit Dubstep anfangen kann? ‚Remixen‘ werden jetzt einige denken, und das dürfte auch Noah D im Kopf gehabt haben, als er Son of Kick’s zeitgemäße Untermalung eine Sylvester & Tweety Cartoons EOW in ein recht junglistisches DnB-Gewand steckte. Das Resultat ist eine unglaublich unterhaltsame Nummer,  die sich insbesondere durch ihr vermeintliches zu viel von allem auszeichnet und als musikalische Definition von ‚überdreht‘ konsequent (und so gut) übers Ziel hinausschießt: von den überspitzt angetauchten Foreign Beggars über die stilsicher old schooligen und alles andere als langweiligen Breaks, die sich nicht selten in beckenlastigen Fills entladen, die knarzigen Bässe und pfeifenden Hintergrundsynths, ja sogar die Strukturierung dieses akustischen Wahnsinns – alles ist durchtränkt von einer verrückten Freiheit, die sich weder Blätter vor den Mund noch Sinn in den Sequencer diktieren lassen will.  Vielleicht aber ist es gerade dadurch, dass auf diesen vier Minuten (mit Ideen und Spielereien für eine ganze EP) die Natur des Grooves wirkt wie selten sonst in einem Track.

Son of Kick feat. Virus Syndicate, Foreign Beggars – EOW (Noah D Remix, SMOG) – https://soundcloud.com/sonofkick/eow-ft-virus-syndicate

Sylvester & Tweety ‘Gift Wrapped’ – http://www.youtube.com/watch?v=UQ6rzWWw9kc#t=3m05s

Für alle Freunde des dreckigen Neurofunks gibt es wieder einmal Abhilfe aus Kiew, das damit wieder ein Stück mehr zum neuen London avanciert: Taras Sydorzhevskys alias Tanas versorgt uns mit zwei overdrivetriefenden und mitreißenden Produkten aus seiner DAW, und insbesondere das (leider) nicht einmal dreiminütige Thinking About (dass zu allem Überfluss auch noch mit recht aufdringlichen Vocals vollgestopft ist) ist eine richtiggehende Orgie aus vollmundig hämmernden Drums und saftigen Bässen, die -die Vocals freilich ausgenommen- auch auf einer alten Vision-Single ihren Platz gehabt hätte. Auch das im Gegensatz dazu geradezu klassisch anmutende End of Eternity groovt mit jener rohen Energie der mittleren Noughties, die z.B. am seligen Spor faszinierte -mit dem Tanas im Übrigen das Traktieren der Midrange teilt-,  wenngleich das Tempo hier um einiges höher angesetzt ist. Aber das ist wohl der Lauf der Dinge; und während viele heutzutage ihr Heil in der Tiefe suchen und andere sich gänzlich neuen Gestaden zuwenden, opponiert Tanas gegen dieses neue Sound-Biedermeier mit seinem Vormärz-Techstep und rücksichtslosem Elektropunk. Das Subsphere-Zentralkomitee hat sich jedenfalls dazu entschlossen, diesem Fest an famoser Brachialität den Single der Woche Orden zu verleihen – möge Tanas‘ Beispiel der Flut uniformierter Bassmusik und konformistischer Soundmoden als leuchtendes Beispiel in diesen dunklen Zeiten voranwummern.

Tanas – Thinking About / End Of Eternity (Brain Network Recordings) – https://soundcloud.com/brainnetwork/tanas-thinking-about-out, https://soundcloud.com/brainnetwork/tanas-end-of-eternity-out

Der Wiener Musikkongress – http://www.facebook.com/Subsphere

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