2012/48 : Thoughts with a certain sound (deutsch)

Je früher der Morgen desto tiefer die Bässe; und als ich mir heute früh die engere Selektion der Woche nochmals zu Gemüte führte, konnte ich -hin- und hergerissen zwischen Kipferl und Melange- nicht umhin, Thing’s neuer Single doch einiges abzugewinnen. Denn ungeachtet der relativen Monotonie, die die beiden Tracks mit ihrem vollkommen zurückgelehnten Half (ich möchte fast sagen: Quarter-) Time Feel ausstrahlen, passiert doch gerade genug, um nicht wieder ins Schlummerland zu entgleiten; abgesehen von ihrer eher unspektakulären Faktur aber gefallen die Tracks vor allem durch ihre verträumten Vibes, die über einer massiv-kuscheligen Schicht Subbass durch spacige, angejazzte Akkorde und Schwaden dicken Rauchs hindurchschimmern. Zwar dürfte die Partyfraktion Thing weiterhin eher verständnislos gegenüberstehen, aber wer auf der Suche nach der passenden Untermalung für den sonntäglichen Bassbrunch ist, dürfte hier fündig werden.

Thing – Guitar Riddim / Roots Rhodes (Dubthing Recordings) – https://soundcloud.com/dubthingrecords/sets/guitar-riddim-roots-rhodes

Wem das freilich zu übersichtlich und fassbar ist, der wird vielleicht seine Freude mit den neuen nervösen Werken von Konichi haben, der uns diese Woche gleich zwei Singles beschert – deren eine wir hier dezent auslassen. Die andere aber folgt zuerst dem Ancient Recipe der ausgewogenen Disparität von neurotischen Drums (insbesondere die Bassdrum ist reichlich unberechenbar und neigt zu Gewaltausbrüchen) und einem dieser Bässe die klingen wie musikalisch getrimmte Faxgeräte (‚fax bass‘). Das nur scheinbar autobiographische Midi Man bemüht sich anschließend, die Balance wieder herzustellen, und gerät mitunter zu einer modernen Super Mario Geisterhausmusik (Bludclot Artattack bleibt freilich ungeschlagen), die aber ihre wahren Qualitäten erst mit dem Groove entwickelt, den sie kontinuierlich massiert. Alles in allem ist diese Single vielleicht nicht der ganz große Wurf, aber Konichi werkt munter weiter an der spannenden Geschichte seines im freudschen Sinne Couchfunk, und ich für meinen Teil bin äußerst gespannt auf die Fortsetzung.

Konichi – Ancient Recipe / Midi Man (OTB Recordings) – https://soundcloud.com/scott24/ancient-recipe, https://soundcloud.com/otbshow/konichi-midi-man-clip-pre

Ed Rush – Bludclot Artattack (No U-Turn, 1993) – http://www.youtube.com/watch?v=JEsJOIS2-tI

Mehr als 28 Jahre hat David Lynchs Verfilmung von Dune mittlerweile auf dem Buckel. Dass die Geschichte um den blauäugigen Paul in Drum & Bass Regionen so regen Zuspruch fand und findet, dürfte nicht zuletzt an der fürstlichen Ausbeute an Sprachsamples liegen, die dieses Science Fiction Musical bietet. Jüngstes Beispiel ist die Arrakis EP des Engländers Mej, die mit Return to Arrakis den für mich spannendsten Track der Woche enthält, abgesehen vom Remix selbiger Nummer aber leider enttäuscht. Return to Arrakis aber trifft einen analogen Punkt und stellt mit seinem vielschichtigen Nebeneinander von Sounds über Breaks alter Schule vielmehr eine cineastische Reise, ein Hör-Spiel dar, als sich in ein gängiges Floorschema einzugliedern. Auch der von Cryogenics verfertigte Remix ist alles andere als ein landläufiger Floorsmasher: eine fein gesponnene Textur aus Unterwasseratmosphäre, fragiler Percussion und mysteriös an- und abschwellenden Sounds, die von einem minimalistischen Loop getragen wird, entfaltet allmählich eine ähnlich hypnotische Zeitlosigkeit wie das Original.

Mej, Cryogenics – Arrakis EP (Audio Theory Records) – https://soundcloud.com/m_ej/return-to-arrakis, http://www.youtube.com/watch?v=B6Y-yTtGxYQ

‚Salvador Dali-Flow‘ reklamieren Billion, Codebreaker und Sense für und mit ihrer neuen Single Defence, aber ehrlich gesagt sehe ich nicht mal Parallelen zwischen dem Spektrogramm des Tracks und der Pinselführung des Movember-Meisters. Flow allerdings ohne das pathologisch größenwahnsinnige (-im Gegensatz zur gesunden Hybris-) Attribut kann man dieser Nummer nicht absprechen, die von knackigen Drums angetrieben einige Sägezähne im Äther verreibt – vom mächtig rollenden Sub ganz zu schweigen. Auf der Flip wird auch gleich Skeptical’s Defensivstrategie mitgegeben, und auch die stellt sich nicht sonderlich surrealistisch dar: Deep und minimalistisch offenbart sich der Remix, mit deutlich größerem Verlass auf die tragende Macht des Fundaments. Entsprechend nahe ist er am Abgrund zur Einöde gebaut; dass er trotzdem nicht abstürzt dürfte so manchen Homöopathieskeptiker doch noch von der Macht des eigentlich nicht mehr Nachweisbaren überzeugen, so microskopisch sind Skepticals Edits, so C 12 seine Fills. Natürlich wird man nun einwenden, dass das alles eine Frage der Überzeugung sei. Aber wenn es um gute Musik geht, bin selbst ich bereit, mir die seltenen Worte entlocken zu lassen: ich glaube.

Billion feat. Codebreaker & Sense – Defence / Defence (Skeptical Remix; Alignment Records) – https://soundcloud.com/stholdings/billion-ft-codebreaker-and

Den Abschluss unserer heutigen Revue bilden die frisch ausgebrüteten oberösterreichischen Gemeinschaftsprojekte von Mefjus und M-Force, Abandon und Struggle & Pain.  Erstere führt dabei Mefjus typischen Sound wiedereins im bewährten Sternenkreis und bietet so eine weitere Neuauflage des Allbekannten auf gewohnt hohem Niveau. Struggle & Pain allerdings entführt in ungewohnt hintergründige Klanggefilde, deren sublim melancholischer Touch sich angenehm mit den Stakkatosynths zu einer vielsagenden und tiefgehenden Soundmasse verbindet. Mitunter hätte der Track vielleicht noch den einen oder anderen Schliff vertragen können, so wirken einzelne Passagen etwas leer und der integrale Zusammenhalt der Sounds ist nicht immer völlig gegeben. Aber schön ist es trotzdem.

Mefjus & M-Force – Abandon / Struggle & Pain (Breed 12 Inches) – https://soundcloud.com/breed12inches/sets/brd012

Bassbrunch bis Drumdinner: http://www.facebook.com/Subsphere

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